Kindergruppen

Aufgaben und Ziele

Die Kindergruppe bietet Kindern, die einen nahe stehenden Menschen durch Tod verloren haben, emotionale und soziale Unterstützung durch das Zusammensein mit anderen Kindern in der Gruppe, die dasselbe Schicksal teilen. Die Gruppe stellt für die Kinder einen geschützten Raum dar, in dem sie ihre Trauergefühle ausdrücken, akzeptieren und schließlich abbauen können. Die Gruppe erhält durch verschiedene Gruppenregeln einen funktionalen Rahmen. Eine beispielhafte elementare Regel bildet die gruppen-interne Verschwiegenheit – nichts, was in der Gruppe gesagt wird, darf nach außen getragen werden.
Durch kreative Angebote, aber auch durch freies Spiel und die Möglichkeit, im Toben einmal richtig Dampf abzulassen, setzen die Kinder sich altersgerecht mit ihrer Trauer auseinander.

Die Auseinandersetzung mit der Trauer stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder, so dass sie die Möglichkeit haben, die Krise als Chance für ihre persönliche Entwicklung zu nutzen. Die Gruppe kann auf diese Weise auch als eine Präventionsmaßnahme gesehen werden, um späteren psychischen oder sozialen Problemen vorzubeugen.

Die parallel stattfindende Gruppe für die Angehörigen der Kinder stellt sicher, dass die Kinder ihre Angehörigen in der Nähe wissen. Die Angehörigen erhalten in der Gruppe ebenfalls Unterstützung in der eigenen Trauer, was für die Kinder Signalwirkung bezüglich des Umgangs mit Trauer haben kann. Die Angehörigen haben dort auch die Möglichkeit sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und erhalten Hilfestellung zum Umgang mit trauernden Kindern.

Gruppenstruktur

Die Kindertrauergruppen bieten bis zu zwölf Kindern zwischen etwa fünf und zwölf Jahren die Möglichkeit, ihre Trauer in der Gruppe mit anderen betroffenen Kindern zu erleben. Sie wird von einer im Bereich Kindertrauer ausgebildeten Fachkraft geleitet und von fünf bis sieben ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt, wodurch eine intensive Betreuung gewährleistet ist. Für viele Kinder wirkt die Nähe der Angehörigen – bei gleichzeitiger räumlicher Trennung – beruhigend. Für die Angehörigen stellt die eigene Gesprächsgruppe ebenfalls ein Ort zum Austausch von Erfahrungen dar. Diese Gruppe wird von einem weiteren Mitarbeiter geleitet.

Jedes Kind kann die Gruppe so lange besuchen, wie es selbst dies wünscht; durchschnittlich bleibt ein Kind eineinhalb Jahre in Begleitung. So wird der individuelle Trauerprozess der Kinder berücksichtigt und sie können an den anderen Gruppenteilnehmern erleben, wie sich Trauer im Laufe der Zeit verändern kann.

Die Gruppentreffen finden (die Schulferien ausgenommen) alle zwei Wochen montags, dienstags, mittwochs bzw. donnerstags am späten Nachmittag statt und dauern 90 Minuten.

Methoden

Das zentrale Element der Kindergruppen bildet das Miteinander der Kinder in der Gruppe. Hier wächst die Einsicht, dass sie nicht alleine mit ihrer Verlusterfahrung stehen. Durch die Begleitung durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter kann zusätzlich auf individuelle Bedürfnisse des Kindes eingegangen werden und es besteht Raum für Einzelgespräche während des Trauerangebotes oder der Freispielphase. Dabei entscheiden die Kinder, ob und mit wem sie ein Gespräch führen oder spielen möchten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben die Aufgabe den Kindern zuzuhören, ihren Trauergefühlen ein Raum zu bieten sowie auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.
Das Spiel ist die wichtigste Ausdrucksmöglichkeit der Kinder.
Im freien Spiel können sie ihren Gefühlen Raum geben und Erfahrungen verarbeiten. Die Wut ist eines der meistgenannten Trauergefühle der Kinder. Beim Toben im Vulkanraum, der mit Matratzen und Schaumstoffwürfeln in allen Größen ausgestattet ist, können die Kinder ihre angestaute Wut, die im Alltag keinen Raum findet, abreagieren.
Neben dem Spiel, schaffen die Mitarbeiter, zum Beispiel durch ein kreatives Angebot, Gelegenheiten um die Kinder untereinander aktiv in ein Gespräch über ihre Trauer zu führen.

Die Gruppenstunde wird von Ritualen begleitet, die Struktur schaffen und den Kindern Sicherheit und Beständigkeit geben. Regelmäßige ebenfalls von Ritualen begleitete Feiern zu Weihnachten und im Sommer sowie Abschiedsfeiern, wenn ein Kind die Gruppe verlässt, schaffen ein Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit.